BTW, AFK – AKLA?

BTW, AFK – AKLA?

„Schreib mal wieder!“ bewarb die deutsche Post die Möglichkeit mit den Mitmenschen in Kontakt zu treten. In Zeiten von Smartphone und Instant-Messenger kaum vorstellbar. Das Telefon – weshalb die einstige Bundespost eine Gefährdung des Briefverkehrs prognostizierte – ist zu Deutschlands liebstem Schreibin-strument geworden. Telefonieren? Fehlanzeige.

SMS, E-Mail, Twitter, Facebook und WhatsApp heißen die Plattformen, auf denen sich die Generation der 10 bis 50jährigen heute austauscht. Da werden schnelle Informationen in Abkürzungsform übermittelt, weil HDL einfach kürzer ist als „hab Dich lieb“. Und sollte man denn wirklich noch ein „ganz doll“ einsetzen, wenn man HDL statt dessen einfach auf HDGDL ergänzen kann? Ein wenig erinnert das Ganze an die Comicsprache, in der ein missmutiger Gallier  „Grrrmmmbl“ formulierte, doch dahinter verbarg sich weniger der inhaltliche, als vielmehr der lautsprachliche Hintergrund. Heute ist es anders. Heute wird abgekürzt, wo es möglich ist, damit so viel Informationen wie möglich in so wenig Zeit wie möglich übermittelt werden können.

Und damit das Zwischenmenschliche bei all den fraktalen Übermittlungen dennoch nicht zu kurz kommt, stehen sogenannte Emojis zur Verfügung, die von gut gelaunt bis zum animierten Würgereiz alle Gefühlsregungen in Form eines (meist) gelben Smileys darstellen. Ergänzt um Tiere, Landschaften, Autos etc. bleibt kein Wunsch offen, der nicht mit einer Katze auf dem Fahrrad, einer winkenden Prinzessin, einem Ballkleid, Blitz und Donner oder einem chinesischen Tierkreiszeichen erfüllt werden kann.

Dass in diesem Umfeld Orthographie eine nur noch untergeordnete Rolle spielt, ist angesichts der Informationsflut kaum erwähnenswert. Artikel – ob direkt oder indirekt – sind in der digitalen Übermittlung ebenso unwichtig geworden, wie Satzzeichen oder die konsequente Nutzung von Groß- und Kleinschreibung. Auch die Rechtschreibung wird bestenfalls durch die Autokorrektur übernommen. Allerdings sorgt diese auch gerne für Peinlichkeiten, weil hierdurch völlig sinnentfremdete Sätze entstehen können, welche dann wiederum mühsam erläutert und mit zahlreichen Emojis richtig gestellt werden müssen.

Für viele Schüler zum Verdruss, ist die automatische Korrekturhilfe leider noch immer nicht in den Klassenzimmern angekommen. Während die deutsche Kommasetzung eine schon immer schwer erlernbare Kunst war, scheinen auch die weiteren Satzzeichen mittlerweile große Herausforderungen darzustellen. Nicht jedem Schüler ist bewusst, dass der Satzanfang mit einem großen Buchstaben beginnt. Schließlich wird eine solche Aufgabe eigenständig von dem jeweiligen digitalen Dienst übernommen. Und wer in der Deutscharbeit nämlich mit h schreibt, der wird bestenfalls von der entsprechenden Lehrkraft mit einem sehr alten Spruch über Dämlichkeit auf seinen Fehler hingewiesen, statt – wie sonst üblich – die automatische Korrektur nicht einmal zu bemerken.

Verteufelt werden sollte die Entwicklung dennoch nicht. Betrachtet man die sprachliche Historie Deutschlands, so lassen sich immer wieder Einflüsse erkennen, die aus den angrenzenden Regionen Einzug in unseren Sprachgebrauch gefunden haben. Niemand runzelt heute noch die Stirn, wenn von einem Portemonnaie gesprochen wird, dessen Ursprung recht eindeutig frankophiler Natur ist und auch der von jedem getragene Pullover ist nicht auf teutonische Wurzeln zurück zu führen. Gleichzeitig behaupten sich mehr oder weniger traditionsreiche Begriffe wie Rucksack, Kindergarten oder Bratwurst auch außerhalb deutscher Gefilde.

Dementsprechend bleibt also wohl abzuwarten, welchen Einfluss der Kurzsprech im Web noch auf unseren künftigen Sprachgebrauch haben wird. Eines steht jedoch schon heute fest: der Kommunikation untereinander schadet die Technik nicht. Auch, wenn die Art der Kommunikation für ältere Generationen oft sonderbar erscheint. In diesem Sinne: CU!