Das Eltern Taxi

Kinder müssen Erfahrungen sammeln, auch kritische Situationen einzuschätzen lernen. Eigenverantwortung ist das, was wir unseren Kleinen beibringen möchten. Wie verhalte ich mich im Straßenverkehr? Alleine und auch in der Gruppe. Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die für die Entwicklung der Kinder wichtig sind. Für ihr Selbstbewusstsein. Heißt: sich selbst bewusst sein, wie ich mit Dingen oder Situationen richtig umgehe.

Erst links, dann rechts und dann nochmal links schauen, bevor ich über die Straße gehe. Der Umgang mit dem Zebrastreifen, sowie an einer roten Ampel zu warten – rot stehen, grün gehen.

Als Eltern wissen Sie das. Da stellt sich unweigerlich die Frage, warum eine so große Zahl an Müttern und Vätern jeden Tag daran arbeiten, dies zu vereiteln.

Ja, es geht um den täglichen Schulweg. Sobald die Ferien vorüber sind, fällt es immer extrem auf. Dann wird es wieder voll auf den Straßen und vor bundesdeutschen Schulen.

„Taxi-Mama“, „Taxi-Papa“ oder, wie man es im Allgemeinen auch gerne beschreibt, das „Eltern-Taxi“ ist wieder unterwegs.

„Schade, dass man vor der Schule halten muss. Und überhaupt, bei dem Verkehr ist das ja fast unmöglich. Wo ist der „Eltern-Taxi-Zubringer“ direkt ins Klassenzimmer?!“

Absolutes Halteverbot? Das interessiert im morgendlichen Ausnahmezustand nicht. Und wenn es sein muss, wendet man eben auf dem Gehweg – „Achtung Kids – aus dem Weg. Was macht ihr da auf dem Bürgersteig? Fährt euch denn niemand zur Schule? Rabeneltern!“

Na gut. Wir überzeichnen das alltägliche Bild gerade ein wenig. Gefühlt kommt es dem objektiven Betrachter doch so oder ähnlich vor, was sich da in den frühen Morgenstunden oftmals abspielt.

Doch ist die Situation – vor allem in (größeren) Städten – tatsächlich in Teilen problematisch. Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen und teils riskante Anhalte-, Park- oder Wendemanöver entstehen bisweilen gefährliche Situationen für die Kinder. Zum einen für diejenigen, die tatsächlich auf des Schusters Rappen zur Schule kommen und zum anderen für die, die – teilweise zur Fahrbahn hin – von den fürsorglichen Eltern auf der falschen Seite aus dem Auto gelassen werden…

Warum ist das so? Viele Eltern sind der Meinung, dass der Schulweg nicht sicher sei und bringen die Kinder darum mit dem Auto in die Schule. Doch ein derartiges „in Watte packen“ trägt gewiss nicht dazu bei, dass die Kinder es lernen, mit dem Verkehr oder anderen Unwägbarkeiten eines Fußmarsches durch die Stadt umzugehen. Im sozialen Sinne ist es auch ein Gutes, wenn die Kinder zum Beispiel in der Gruppe, also gemeinsam, den Schulweg antreten.

So können sie sich gegenseitig unterstützen, aber auch ein bisschen „quatschen“ und – ja auch das – mal die Zeit vertrödeln, andere Pfade betreten und die Umgebung kennenlernen (aber bitte nur auf dem Nachhauseweg am Mittag).

Genauer betrachtet trauen die Eltern ihren Kindern (wenn auch vielleicht nur latent) nicht zu, den Fußmarsch zur Schule alleine zu bewältigen. Das kann zur Folge haben, dass die Entwicklung des Selbstvertrauens leidet und die Kids sich später auch immer weniger zutrauen. Ein umfassendes Thema, welches noch durch viele Aspekte des Straßenverkehrs und pädagogischer Gesichtspunkte beleuchtet und sicherlich hie und da auch mit Pro und Contra diskutiert werden kann.

Jedoch liebe Eltern – mal ehrlich: Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu. Schließlich haben Sie die ersten sechs Jahre der Erziehung auch damit verbracht, die lieben Kleinen fit für „das tägliche Leben“ zu machen. Stellen Sie Ihre eigene Erziehung also nicht in Frage. Seien auch Sie sicher Ihrer selbst sicher. Geben Sie Ihren Kindern das Gefühl „Du schaffst das“, „Du kannst das schon ganz alleine und selbst-ständig“. Und Sie werden sehen, wie stolz die Kids sein werden, wenn man Ihnen dieses Vertrauen schenkt.

Wissen Sie… In aller Regel sind 90 % aller Sorgen, die man sich macht, unbegründet. Und das sicher auch in Punkto Fußweg zur Schule.