Schlafe mein Kind

Mein Kind kann schlafen lernen. Mit vergleichbaren Worten titelt so mancher Ratgeber, wenn es darum geht, dem Nachwuchs zu einem gesunden Schlaf zu verhelfen oder auch den Eltern die nötige Bettruhe zu ermöglichen.

Während in den Siebzigern noch das Prinzip galt, das Kind so lange schreien zu lassen, bis es sich vor Erschöpfung selbst in den Schlaf weint, setzt man seit der Jahrtausendwende vermehrt auf die „Diskussion“ mit dem Neugeborenen, um vielleicht den Grund zu erfahren, warum der Familienzuwachs sich denn jetzt nicht problemlos in die Gemeinschaft integrieren möchte.

Noch kein Nachweis

Beide Methoden sind sicherlich umstritten. Zwar haben die Vertreter der 70er-Generation ihr Baby-Dasein meist schadlos überstanden, doch für die – durch ein dauerhaftes Schreien – angeblich gestärkten Lungen gibt es wohl auch keinen konkreten Nachweis.

Die Suche nach der Ursache

Letztlich sollte man sich sicherlich immer selbst die Frage stellen, warum das Kind mit der aktuellen Situation nicht zufrieden ist, denn genau das drückt es ja in diesem Moment aus. Oft sind es Rahmenbedingungen, die vielleicht gar nicht direkt mit dem Schlaf in Verbindung stehen. Vielleicht hat die falsche Mahlzeit für einen aufgeblähten Bauch gesorgt , vielleicht wurde das Schmusetier gewaschen und riecht jetzt nicht mehr so gut nach Mama oder Papa, vielleicht waren die Erlebnisse des Tages zu umfassend, so das an Schlaf gar nicht zu denken ist?

Oder vielleicht hat der Nachwuchs in den letzten Wochen und Monaten auch gelernt, wie er – bzw. sie – seine/ihre Eltern dazu „erziehen“ kann, nächtelang herumgetragen und „liebevoll“ umsorgt zu werden. Auch bei Erwachsenen gibt es zahlreiche Gründe, warum der Schlaf nicht auf den berühmten Knopfdruck einsetzt, doch letztlich findet wohl jeder die Erholungsphase, die seinem ganz persönlichen Rhythmus entspricht und dem eigenen Körper die Möglichkeit zur Regeneration bietet. Sicherlich sollten wir diese Möglichkeit auch unseren Kindern bieten. Da nicht davon auszugehen ist, dass ein 6monatiger Säugling diese Möglichkeiten selbst erkennt, ist die entsprechende Führung durch die Eltern sicherlich sinnvoll, ohne dabei jedoch allzu viel Druck aufzubauen, da dieser bekanntermaßen wiederum Gegendruck verursachen dürfte.

Erfahrung ist besser als Ratschläge

Ein wirklicher Ratschlag, wie denn das Kind richtig schläft, isst oder sich künftig gegenüber seinen Mitmenschen verhält, ist sicherlich schwierig. Denn oft bewirken gut gemeinte Ratschläge genau das Gegenteil, da sie auf eigenen Erfahrungen beruhen und selten den individuellen Einzelfall berücksichtigen. Ein richtig oder falsch, wird es kaum geben. Letztlich gilt es doch, auf das Individuum einzugehen, es zu leiten und gleichzeitig seine Wünsche und Bedürfnisse zu akzeptieren. Dementsprechend wünschen wir den vielen Eltern, die heute noch mit dem Schlaf ihres Babies kämpfen, starke Nerven, um die durchwachten Nächte und zugleich die vielen Verbesserungsvorschläge zu ertragen und gleichzeitig nicht daran zu zweifeln, für das eigene Kind das Richtige zu tun.