Streit Kultur

Streit Kultur
Aufräumen, Hausaufgaben, Zähneputzen.

Vorschriften,die immer wieder für Zoff im Fami-lienalltag sorgen. Streiten ist wichtig – Solange es fair bleibt. Denn so stärkt man bereits in frühen Jahren die soziale Kompetenz.

Kinder streiten. Mit den Eltern, mit Geschwistern, mit Freunden. Zu-hause, in der KiTa, in der Schule, auf dem Sportplatz. Kinder mit ei-nem Alter bis 5 Jahre streiten dabei sogar am häufi gsten. Nach Unter-suchungen von Konfl iktforschungen bringen sie es auf bis zu 100 Streit-anlässe pro Tag.

Natürlich ist nicht jeder Anlass ei-nen Streit wert, doch tatsächlich ist das tägliche Zoffen unserer Kleinen ein wichtiger Bestandteil der Erzie-hung und des Erwachsenwerdens. Auch, wenn weder Eltern noch Kin-der Streit wirklich mögen, ist dieser gut für das Zusammenleben und die soziale Entwicklung der Kinder. Schließlich sind Meinungsverschie-denheiten Ausdruck unterschied-licher Standpunkte. Nur durch die gegenseitige Reibung können Mei-nungen gebildet und Standpunkte manifestiert werden. Erst ein Ver-bot kann eine Ablehnung hervorru-fen oder die Bereitschaft zum Kom-promiss fördern. Dann ist es auch schon mal wichtig, dass die Eltern Konfl ikte tatsächlich zulassen und Streiten nicht als generelles Tabu betrachten. Nur so kann der Nach-wuchs das Vertrauen in sich selbst entwickeln und auch die Fähigkeit erwerben, Lösungen zu finden.

Ich will aber …

Die Anlässe für den jeweiligen Streit könnten unterschied-licher nicht sein. Bei Kleinkindern geht es vorrangig um Besitzansprüche. Mit „Das ist meins!“ oder „Ich will aber . . .“ beginnen Sätze, die Eltern täglich hören. Kompromisse gibt es dabei selten. Ein Vierjähriger kennt die Einigung meist noch nicht. Die Lösung des Problems liegt vorran-gig in der Durchsetzung des eigenen Willens. Dement-sprechend oft enttäuscht sind Kleinkinder auch, wenn sie feststellen müssen, dass ihre älteren Geschwister häu-fi ger Lösungen ihrer Probleme fi nden und scheinbar die Gewinner des Disputs sind. Letztlich liegt das natürlich nur daran, dass 6 bis 10jährige bereits argumentieren und in gewissen Situationen schon mal nachgeben können. Bei Teenagern pendelt das Verhalten schließlich zwischen zwei Extremen. Mal ziehen sie sich zurück und ein anderes mal provozieren sie den Gegenüber derart, dass Kompro-misse unmöglich erscheinen. Auch diese Reaktionen sind Teil der Selbstfi ndung und ein Zeichen dafür, dass Gren-zen ausgelotet werden müssen, um schließlich die eigene „Wahrheit“ zu fi nden. Trotz einer perfekt scheinenden Ar-gumentationskette lässt sich gerade bei Jugendlichen in der Pubertät nicht immer alles rational begründen. Dem-entsprechend heißt es für die Eltern dann, genauso wie bei den Kleinen, Ruhe zu bewahren und möglichen Provo-kationen selbstsicher entgegen zu treten.

Du hast mir garnichts zu sagen.

Der Streit unter Geschwistern verhält sich anders als die Unstim-migkeit mit den Eltern. Während die Erwachsenen nicht zuletzt aufgrund ihrer Größe und natürlich auch der damit verbundenen Fähigkeiten grundsätzlich erst einmal mit Respekt betrachtet wer-den, stellen Geschwister einen Gegner da, denn es nicht selten zu schlagen gilt. Hier geht es um Macht und die Behauptung der eige-nen Positionierung innerhalb der Familie. Dementsprechend nach-vollziehbar ist es, dass die Streitigkeiten bei geringen Altersunter-schieden häufi g stärker vertreten sind, als bei Geschwistern, die mit einem Abstand von mindestens drei Jahren zur Welt kamen. Auch hier müssen Eltern vor allem Ruhe bewahren und die Streithähne auch schon mal gewähren lassen. Nur so fi nden sie die Möglichkeit einer eigenen Lösung, welche oft besser ist, als eine von den „Herr-schern“ vordiktierte. Wird es im Kinderzimmer dann doch allzu laut, können Eltern natürlich immer noch Hilfe anbieten, ohne dabei je-doch Position zu beziehen. Denn ganz wichtig ist es, dass bei einem Streit nie die Persönlichkeit eines der Kinder in Frage gestellt wird. Und oft gibt es auch gar kein richtig oder falsch, sondern vielleicht nur ein falsches Verständnis.

Du bringst mich zur Verzweifelung.

Ob im Streit mit den Eltern oder den Geschwistern, sollte prinzipiell niemand als Gewinner vom Platz gehen. Bes-tenfalls sollte eine Lösung gefunden werden, die allen ge-recht wird. Wie im Berufsleben oder der Politik, sind An-klagen und Schuldzuweisungen keine gute Grundlage, um einen Konfl ikt zu lösen. Fühlt sich der Gegenüber in die Ecke gedrängt, geht dieser nicht selten zum Gegenangriff über und dann erscheint eine beiderseitige Einigung kaum mehr möglich. Kinder wollen einbezogen werden. Die Bitte um Hilfe zum Herausbringen des Mülleimers wird wohl weniger ausgeschlagen als eine Anschuldigung mit der Formulierung „Warum hast Du den Mülleimer denn schon wieder nicht rausgebracht?“. Kinder brauchen die Bestä-tigung ihrer Eltern. Sie müssen sich angenommen fühlen, auch wenn sie Fehler machen. Hieraus entwickelt sich ein Gefühl der Zugehörigkeit, welches wiederum wichtig für die persönliche Entwicklung des heranwachsenden Familien-mitglieds ist.