Der letzte Sonntag wurde seinem Namen gerecht! Es war tatsächlich sonnig. Und herrlich warm. Mein Mann und ich haben diesen Tag genossen wie schon lange nicht mehr. In Gedanken den Sommern schon lange abgeschrieben, waren wir spazieren, Mittagessen in der Stadt, anschließend Eis essen, sind mit der Gondel gefahren und haben es uns einfach gutgehen lassen. Mit dabei: unsere Kleinste. Auch die war, eigentlich wie immer, fröhlich gestimmt und entspannt. Während ich mir noch einen Kaffee „ to go“ organisierte, saßen Vater und Tochter ein paar Meter weiter auf einer Bank. Als ich zurückkam wurde ich Zeuge eines Deliktes, den so manche Eltern als „Körperverletzung“ bezeichnen  würden. Meine Tochter leckte an Papas Eis und hatte auch Schwups die Waffel in der Hand. Sie wird 11 Monate alt. Darf man das überhaupt? Ab wann gehören Süßigkeiten in kleine Kinderhände? Und warum überhaupt?

Die meisten Kinder und auch die Mehrheit der Erwachsenen lieben Süßigkeiten. Der Süßgeschmack ist uns sozusagen „in die Wiege gelegt worden“. Wenn ein Säugling an der Brust der Mutter trinkt wird allerdings nicht nur der physiologische Hunger nach der sättigenden und wunderbar süß schmeckenden Muttermilch, sondern auch der emotionale Hunger in ein und demselben Prozess befriedigt. Schon nach den ersten Schlucken entspannen sich die Gesichtszüge des Säuglings. Die warme, süße Milch, gepaart mit dem engen Körperkontakt zur Mutter, geben dem Baby das Gefühl von Geborgenheit und Vertrauen. Im ersten Lebensjahr sollten Eltern lernen zu unterscheiden, wann ihr Kind Nahrung braucht und wann es andere Bedürfnisse hat. Bieten Eltern ihrem Kind bei jedem Zeichen von Unruhe Nahrung an, lernt das Kind, dass Essen beruhigt. Es besteht die Gefahr, dass emotionales Essen die Kontrolle verliert, vor allem dann, wenn Eltern ihren Kindern „Süßigkeiten-Belohnungs-und-Beruhigungsaktionen“ selber vorleben. ???? Wird Süßes hingegen nicht als Leistungsanreiz oder zum Versüßen von unangenehmen Dingen eingesetzt, bekommt es auch nicht so einen hohen Stellenwert für die Kinder.

Im Laufe des Lebens knüpfen wir zu allen Lebensmitteln, die wir essen, Beziehungen unterschiedlicher Art und Intensität. So greifen wir oft zu Schokolade, wenn wir uns gestresst fühlen, weil wir mit ihrem Verzehr Entspannung verknüpfen. Auch ganze Gerichte, bspw. der Rinderbraten oder die Rouladen von Oma lösen ein wohliges, geborgenes Gefühl bei uns aus, was uns hierbei glücklich macht, ist mehr das „drumherum“, Kindheitserinnerungen, die wir damit verbinden, als das Gericht an sich.

Das Problem der heutigen Zeit sehe ich weniger darin, dass Kinder grundsätzlich naschen, sondern vielmehr darin, wieviel, wie oft, und in welchen Situationen. Unsere Kinder sind täglich umgeben von süßen Versuchungen, wie es sie zu Großmutters Zeiten noch nicht gegeben hat. Verbote sind kaum durchsetzbar und auch nicht zielführend. Viel wichtiger ist es, unseren Kindern den Maßvollen Verzehr von Süßigkeiten zu vermitteln. Denn Kindern fehlt noch der Zeitbegriff und somit die Disziplin im Umgang mit Süßem. Das Vorstellungsvermögen für Folgeschäden wie Karies in der Zukunft fehlt demnach gänzlich. Darum ist es an uns, klare Regeln aufzustellen, wie viel und wann Süßes „erlaubt“ ist. Ein Baby, dessen erste Milchzähnchen gerade durchbrechen, die es allerdings noch nicht regelmäßig geputzt bekommt, sollte definitiv nichts angeboten bekommen!

Größere Kinder müssen lernen, mit dem verlockenden Angebot umzugehen und sich ihre Süßigkeiten einzuteilen. Hilfreich ist hier eine Wochenration zur freien Verfügung. Auch bei uns gibt es die berühmt berüchtigte Schublade voller böser Versuchungen. Aber ICH habe den Überblick und die Kontrolle darüber. J Naja, bei der Großen nicht mehr, die ist aber mittlerweile auch im Stande ihr Naschwerk selber käuflich zu erwerben. Ansonsten wird wöchentlich aufgefüllt, jedoch nur so viel, wie gegessen werden „darf“. Und wenn das Angebot prinzipiell überschaubar ist, scheut sich manch einer, einfach das letzte Stück verschwinden zu lassen.

Gibt es eine „richtige Menge“?

Abwechslung auf dem Speiseplan, von Anfang an, sorgt dafür, dass nicht nur die Geschmackspräfarenz „süß“ vorherrscht. Wird sich erst einmal herzhaft sattgegessen, kann eine süße Nachspeise der krönende Abschluss sein. Obst, Trockenfrüchte, Kompott oder Quarkspeisen…werden sie selbst hergestellt, lässt sich der Zuckergehalt beeinflussen.

Es gibt tatsächlich Zahlen 

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung zählt Süßes und Gebäck zu den „geduldeten“ Lebensmitteln, die nicht mehr als 10% der täglichen Energiezufuhr ausmachen sollten.

Hierzu ein Beispiel:

Ein 4-6 jähriges braucht täglich etwa 1500 Kalorien, höchstens 150 Kalorien davon sollten also auf Süßes entfallen.

Das wären z.B.:

ein kleines Stück Obstkuchen (80g)

oder

5 Stückchen Schokolade (30g)

oder

Eine Kugel Eiscreme (70g)

 Alternativen?

Süßungsmittel wie Honig, Rohrzucker, Dicksäfte oder Sirupe bieten leider keinerlei Vorteile gegenüber dem normalen Haushaltszucker. Sie liefern etwa genauso viele Kalorien wie Zucker und fördern Karies teilweise sogar stärker, da sie aufgrund ihrer Konsistenz nach dem Essen länger an den Zähnen haften.

Süßstoffe (enthalten z.B. in „Zero“- oder „Light“-Getränken) sind hingegen praktisch energiefrei und schädigen die Zähne nicht. In moderaten Mengen sind auch keine gesundheitlichen Nachteile bei Kindern zu erwarten, dennoch sollten sie die Ausnahme bleiben. Die intensive Süße der künstlich hergestellten Stoffe gewöhnt Kinder, genau wie der Verzehr größerer Mengen Zucker, an den süßen Geschmack.

Meine Tipps zum Schluß:

  • Keine Süßigkeiten anstelle von Zuwendung oder als Problemlöser anbieten!
  • Wenig, aber bewusst naschen lassen und dann ohne schlechtes Gewissen
  • Regeln aufstellen: Keine Süßigkeiten vor oder Anstelle einer Mahlzeit und nur einmal am Tag
  • Kein Terror beim Einkaufen! Die Süßigkeiten gibt es zuhause
  • Immer nur die „Wochenration“ auf Vorrat einkaufen
  • Zucker im Haushalt sparsam verwenden, wir wissen das die meisten Backrezepte mit deutlich weniger auskommen als im Rezept angegeben
  • Süße Getränke sollten wirklich die Ausnahme sein, sie werden nicht als Süßigkeiten wahrgenommen
  • Auf regelmäßige Zahnpflege achten