Teatime

Lena Wachendorff ist examinierte und staatlich anerkannte Sport- und Ernährungstherapeutin. Als Mutter von drei Kindern schreibt sie in „meineBande“ als freie Redakteurin exklusiv und regelmäßig zu den Themen gesunde Ernährung, Sport und Familie.

Seit geraumer Zeit studiere ich die alten Lehren der chinesischen Diätetik, die die Wirkung bestimmter Lebensmittel, Genussmittel und Getränke auf den menschlichen Körper beschreibt mit Faszination. In meiner Beratungspraxis stelle ich fest, dass die fernöstliche Gesundheitslehre eine hervorragende Ergänzung zu unserer westlichen Sicht ist. Eine Gewohnheit hierzulande, die für Chinesen nicht nachvollziehbar ist, ist das Trinken eisgekühlter Sprudel-getränke im Sommer, nicht nur bei Hitze, sondern das ganze Jahr hindurch. Alle Getränke, die wir zu uns nehmen, sollen naturgemäß unseren Durst stillen, dem Körper jedoch keine Energie in Form von flüssigen Kalorien liefern (Säfte, Softgetränke, Milch, gezuckerte Getränke, etc.). Sie sollten weder heiß noch eiskalt sein. Denn im Körper müssen gekühlte Getränke erwärmt, heiße abgekühlt werden. Eiskalte Getränke bei äußerer Hitze geben unserem Körper das falsche Signal: zusätzliche Wärme zu produzieren.Trinken wir hingegen heiße Getränke, geraten wir zu stark ins Schwitzen. Dann wird es noch schwerer, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die Asiaten trinken ihr Wasser ohne Kohlensäure und, aufgrund der Bekömmlichkeit, grundsätzlich raumtemperiert bis thermoskannen-warm. Und ich mache zu Hause die Erfahrung, dass das eilige herunterspülen eiskalten Mineralwassers von rotbäckigen, vom Spielen in der Sonne aufgeheizten Kindern, öfter zu Bauchweh, Schluckauf und unangenehmen Koliken führt. Hier kann gerade warmer Tee eine gute Ergänzung zum Mineralwasser sein. In China, aber auch in vielen südeuropäischen Ländern ist zu beobachten, dass Menschen warmen Tee in kleinen Schlucken trinken, wodurch sie ein leichtes Schwitzen provozieren und somit die Abkühlung des Körpers unterstützen. Clever!

Hinzu kommt, dass die meisten Teesorten nicht nur aufgrund ihrer Temperatur, sondern wegen ihrer Inhaltsstoffe eine spezifische Wirkung im Körper erzielen.Schon Hippokrates sagte: „Deine Nahrungsmittel (Getränke eingeschlossen) sollen deine Heilmittel sein!“… absolut richtig! Tee ist in der Tat kein Getränk im eigentlichen Sinne, es handelt sich vielmehr um ein seit Jahrtausenden bewährtes Heil- und Genussmittel. Buddhistische Mönche verbreiteten seinerzeit das Heißgetränk, als Aufguss getrockneter Blätter immergrüner Strauchgewächse, in der Welt. Der sog. Teestrauch Camellia sinensis bringt die uns als Schwarztee, Grüntee, Weißer Tee, und Oolong bekannten „echten“ Teesorten hervor. Neben Gerbsäuren, Koffein und ätherischen Ölen sind auch sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, denen man eine Vielzahl gesundheitsfördender Eigenschaften nachsagt. Bei Kräuter- und Früchtetees, wie wir sie heute in zahlreichen Sorten kennen, handelt es sich streng genommen nicht um Tee, sondern lediglich um „teeähnliche Erzeugnisse“.